Mit 80 durch´n Wald
(Go big or go home)
Förster flüchtet aus Wald
Was ist das Schlimmste, was dir auf einer Radl-Messe passieren kann? Wenn die Mehrzeit der Besucher, sowie die Aussteller sich auf E-Bikes eingestellt haben. D. h., schon wenn du die Halle betrittst, nur Bikes für Fußfaule oder Kranke zu sehen sind. Eine ganze Halle nur E-Bikes zum Testen. Ganz ehrlich, wer braucht Bikes, die so viel Power haben, dass sie mit 80 – 90 km/h durch die Wälder fetzen – wohl gemerkt auf der Geraden. Was fahren dann die im Downhill? Da ist der Ärger schon vorprogrammiert, sei es vom Gesetzgeber oder vom Förster, der dich dann niederstreckt wegen Gefährdung des Waldfriedens. Wenn du so schnell bist und dich Fuchs oder Hase nicht mehr hören, ist das schlecht.
Wie wäre es mit einer eigenen Messe für die Art von Bikes, weil ich finde, dass die mit dem sportlichen Radfahrer nichts mehr zu tun haben. Als eingefleischter Mountainbiker tut es meiner Seele weh, wenn ich E-Bikes von renommierten Bike-Herstellern zu sehen bekomme. Haben diese Firmen kein Rückrat? Apropo Seele, der größte Fahrradvertrieb Deutschlands war natürlich bombastisch vor Ort, man könnte sagen, dass sie eine ganze Halle besetzten. In der Werbung stand etwas von 300 Ausstellern. Wenn man die E-Bike-Hersteller abzieht, hätte man bestimmt nicht einmal eine halbe Halle voll gebracht.
Bemerkenswert waren die polnischen Kaffeetankstellen mit echt bayerischer Milch. Komischerweise hatte ich das Gefühl, dass ich ihre Standnachbarn aus dem osteuropäischen Raum schon mal gesehen hatte. Letztes Jahr war das gleiche Massageteam unter anderem Namen auf der größten Fahrradmesse unterwegs.
Bei den Security-Leuten musste ich erst zweimal hinsehen und hören. Das Zweierteam der Damen in schlichter grauer Uniform mit flottem Barrett , hatte diesen energischen Blick, den man noch aus den Zeiten des Kalten Krieges kannte. Die Herrenabordnung, die den Wettkampf der Jumper securierten, hatten diesen typisch „deutschen Haarschnitt“ mit Stratebau-Uniform. (Strassenbau)
Nichts desto trotz gab es auch positive Ereignisse. Erstmal meine Jungs aus England: Lance, Sam und der Rest der Crew waren in super Stimmung. Warum auch nicht? Lance hatte den Jungspunden mal gezeigt, wo die Musik in der Oberliga spielt. Congrates to my friend Lance McDermott to your big win at saturday! Und obwohl Sam Reynolds sich beim Springen verletzte, schaffte er mal so zum Spaß, mal kurz den 1. Platz bei der Quali am Pumptrack. Vollkommen überraschen für mich war, dass Benny Korthaus mich gleich erkannte und sich mit mir sehr lang unterhielt. Unser Münchner ist ein Pfundskerl und ich hoffe, dass wir ihn jetzt wieder öfters sehen.
Zu erwähnen wäre, dass es Leute gibt, die man überall trifft und die nur so vor guter Laune strotzen. Wie z. B. Stefan von Ride.on. Und die Jungs aus Leogang, denen leider die Messe zu teuer war, um selbst auszustellen. Dafür waren die Österreicher (und auch die Sachsen) mit ihren Fremdenverkehrsämtern vertreten (mit ausnahmslos hübschen Mädels , die sich bei den eigensinnigen Münchnern schwer taten).Denn mir kam es so vor , als ob die Hauptstädtler nur in für sie geeignete Urlaubsorte fahren würden.D.h. Der Ort muß Müncher tauglich sein .
Resümee:
- Nachdem wir bei jedem Quiz unseren Servus abgegeben hatten (auch ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn),
- irgendein neues Aufputschmittel in die Hände gereicht bekommen haben (nach der Beschreibung des Herstellers klang das irgendwie nach Viagra flüssig),
- fast einen Herzinfarkt von dem polnischen Espresso bekommen haben,
- Captain Dani Ross mal ohne Photoausrüstung über den Weg liefen (dafür mit netter Damenbegleitung ),
- Niki sich die Birne beim Jumpen anschlug, „Gute Besserung, Adler“,
- einer unserer Jungs bei der 1. Pause einschlief (tja, war a lange Nacht),
- meine Visitenkarten jetzt sogar den Weg nach England gefunden haben,
- uns die Füße weh taten vom Latschen und obwohl die großen Firmen fehlten(aus welchem Grund auch immer – vielleicht ist München doch zu teuer für sie?),
die Leberkässemmel , den "Münchner Verhältnissen " angepasst wurde und für gut 5 Euro verkauft wurde, - wir zum Glück ein Navi dabei hatten, sonst hätte die Fahrt länger gedauert (weil ich glaub, die Münchner bauen jährlich die Autobahn neu),
bin ich ausnahmslos zufrieden!
Auch, wenn ich sagen muss, ich bin noch in dem Alter, dass ich mich selbst bewegen kann. Deshalb bitte keine E-Bikes mehr, denn wenn meine Oma auf dem Radl schneller ist als ich, geb ich mir die goldene Kugel.
Der Revolluzzer